24.08.2008

Die Spiele sind vorbei

Die Olympischen Spiele gingen ohne größeren Zwischenfall und gut organisiert über die Bühne. In China ist man erleichtert und natürlich auch Stolz, sowohl auf die gut organisierten Spiele, als auch auf die herausragenden sportlichen Leistungen. Es ist durchaus ein "wir sind wieder wer"-Gefühl in China vorhanden. Traurig ist man über das Ausscheiden Liu Xiang. Auf einen Sieg im Hürdenlauf haben viele Chinesen gehofft, da China ansonsten in der Leichtathletik nicht viele erfolgreiche Athleten hat. Aus chinesischer Sicht sind Asiaten zu schwach für die Leichtathletik und Liu Xiang beweist, dass auch "Chinesen stark sein können." Diese Sichtweise ist durchaus rassistisch.

Ebenso bedauert man das Abschneiden der Basketballmannschaft und ist, wie eigentlich immer in China, beschämt über die Fussballmannschaft. Aber der Stolz auf den Goldmedallienregen und auf die erfolgreiche Organisation, der ist spürbar.

Die Spiele waren propagandistisch sehr erfolgreich, da das Hauptinterresse nicht die Außenwirkung, sondern die Innenwirkung der Spiele war. Hier ist "China wieder wer" und eine der "führenden Nationen". Man sieht sich auf Augenhöhe mit Europa und den USA. Dieses Selbstbewußtsein hat auch dazu geführt, dass man in China immer weniger wert auf die Außenwirkung der Spiele legte. Seit dem Debakel des Fackellaufs war klar, dass es quasi unmöglich sein würde eine rundum positive Auslandspresse zu erhalten. Ich glaube, man hat sich aber dafür immer weniger interessiert. Für die Chinesen hingegen waren die Spiele ein voller Erfolg.

Ein Besuch der Spiele selbst war vergleichsweise kostengünstig. Ein Bier im Stadion kostete nur 5 RMB (0,50 €). Die Volunteers waren gut und hilfsbereit. So haben sie z.B. Brian bei seinem Besuch geholfen die 5 Bier die er gekauft hat zu seinem Sitz zu tragen. Das sind Volunteers wie man sie sich wünscht.

Nervig waren die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen und die Visaeinschränkungen. Die Sicherheitsvorkehrungen waren erfolgreich, es kam zu keinem Terroranschlag. Bei der Bewertung der Sicherheit darf man nicht vergessen, dass auch in Athen 2004 extreme Sicherheitsmaßnahmen getroffen wurden. Wenn ich mich richtig erinnere gab es doch sogar einen NATO-Einsatz mit Awacs-Aufklärungsflügen und Marineverbände um Griechenland. In London werden die Sicherheitsmaßnahmen vermutlich noch extremer sein.

Wiedersehen mit alten Bekannten

Am Samstag kamen Jessica und Brian nach Wuhan. Sie mussten gleich weiter nach Huanggang, dem Heimatort von Jessica um dort ein neues Visum für Brian zu beantragen. Visa für Ehepartner können nun nur noch im Heimatort ausgestellt werden. Wir hatten trotzdem Zeit für ein gemeinsames Mittagessen. Abends haben wir dann mit Jingjins alter Schulfreundin Badminton gespielt und gemeinsam zu Abend gegessen.

Heute mittag lud Jingjins "Schwester" die ganze Familie zum Essen ein. Ungefähr einen Monat nach der Geburt des Kindes geht die Familie gemeinsam Essen. Es ist sozusagen wie die Taufe des Kindes.



Danach sind Jingjin und ich noch einkaufen gegangen. Es ist Sommerschlußverkauf und wir haben preisgünstig Schuhe und eine neue Hose für mich gekauft.



Danach haben wir uns noch mit Li Qiong getroffen. Sie ist eine Freundin von Jingjin. Sie haben sich in Deutschland kennengelernt, denn sie ist auch mit einem Deutschen verheiratet.

22.08.2008

Lesenswerter Artikel

Ein interessanter Artikel über die Veränderungen an europäischen, amerikanischen und chinesischen Universitäten. Ein Anpassungs- und Veränderungsdruck liegt auf allen Universitäten weltweit. Hier in China kommt zu den Veränderungen durch die Informationsgesellschaft auch noch der immense Zuwachs an Studenten die jedes Jahr auf die Universitäten einströmen.

19.08.2008

Ruhige Sommertage

Am Wochenende haben Jingjin und ich die leckere Leberwurst aus Deutschland zusammen mit Käse aus dem Supermarkt und einem guten Baguette genossen. Das war sehr lecker. Käse kann man hier in den verschiedensten Varianten kaufen, aber eine gute Wurst ist sehr schwer zu bekommen.

Die Uni ist immer noch in der Sommerpause. Neben dem Programmieren kann ich die Zeit gut zum Chinesisch lernen benutzen. Neben Lexdex benutze ich auch das Karteikartensystem. Es ist etwas schwierig hier Karteikarten zu kaufen, aber unbedruckte Visitenkarten sind eine billige und überall verfügbare Alternative. Hat nur etwas gedauert bis mir das aufgefallen ist. Wenn man die Vokabeln nicht ständig wiederholt, dann hat man sie leider Ruckzuck wieder vergessen.

17.08.2008

Knut auf Chinesisch!

Bei unserem benachbarten Hotel ist Knut. Alles kommt raus, nicht nur die Weihnachtsbäume und die alten Möbel, sondern alles.





Nicht nur da Hotel wird im Moment umgebaut, sondern auch einige Studentenwohnheime in der Uni. Außerhalb der Uni werden jede Menge Geschäfte umgebaut, denn im Moment sind viele Studenten im Sommerurlaub und es ist ein guter Zeitpunkt umzubauen.

15.08.2008

Ruhige Sommertage

Die letzten Tage war es sehr ruhig hier. Die Studenten sind größtenteils in Urlaub. Prof. Liao hat mich gefragt, ob es meine Frau nicht ärgert, dass ich im Sommer jeden Tag arbeiten gehe. Übersetzt heisst das wohl: "bleib zu Hause du Depp!". Ein Rat, dem ich heute folge. Normalerweise gehe ich gerne ins Büro. Die Klimaanlage ist sehr gut und man kann konzentriert arbeiten. Heute will ich jedoch schreiben und muss dazu im Internet recherchieren. Das het etwas besser von zu Hause.

Sonja kam Anfang der Woche von ihrem Urlaub zurück. Ihr Freund Torsten reist noch durch Nordwest-China. Sie berichtete von großen Problemen beim Grenzübergang von Kirgisien nach China, bedingt durch Olympia und die Terroranschläge im Nordwesten. Da wir auf ihre Computer aufgepasst haben hat sie uns, sehr zur Freude Jingjins, eine grosse Tüte Rosinen aus Xinjiang mitgebracht. Darüber hinaus, sehr zu meiner Freude, eine Büchse Leberwurst aus Deutschland.

Stern gegen Spiegel

Der Stern online entwickelt sich langsam zu meiner neuen Lieblingsnachrichtenquelle aus Deutschland. Insbesondere die Olympiaberichterstattung erscheint mir weit besser und ausgeglichener als die Anti-China-Kampagnen des Spiegel. Der Spiegel online erscheint mir zwar immer etwas aktueller, aber der Stern liefert wirklich gute Hintergrundberichte, meiner Meinung nach weit besser recherchiert als die des Spiegels. Auch die Kolumne von Jens Fischer hat sich gebessert und ich lese sie jeden Tag gerne. Besonders gefällt mir die Kolumne "Hier spricht China" von Zhang, Yuanchen. Sie versucht aufzuklären über China und erklärt China aus ihrer Sicht.

"Sexy Tanzen? Sorry, das müssen wir erst noch lernen" ist ein schöner Artikel von ihr. Darin bespricht sie einen Punkt der mir hier immer wieder auffällt und den auch Jingjin jetzt an ihrem Heimatland kritisiert: es gibt keine Parties. Studenten machen keine Parties und es gibt keinerlei Partykultur. Das ist jetzt Mißverständlich, denn Chinesen feiern gerne und auch Studenten feiern zusammen. Ich behaupte daher, Chinesen können sehr gut feiern, aber keine Parties machen. Wo ist der Unterschied? Zusammen feiern definiere ich hier als ein Fest mit Freunden. Man kennt sich, geht zusammen essen, trinken, Karaoke singen, usw. Das kann unheimlich viel Spaß machen und Chinesen, insbesondere wenn sie keine Studenten mehr sind, machen das z.T. sehr ausgelassen. Eine Party hingegen ist ein Event, bei dem ich mit mir unbekannten Menschen zusammen feier. Wir lernen uns erst auf der Party kennen. Das ist hier wirklich sehr selten. Man feiert zusammen mit Freunden, die man, wie Zhang, Yuanchen es so schön formuliert: "unter einen Hut bringen muss", aber nicht mit Fremden.

Zensur nicht nur in China

Der Stern online bringt heute einen Bericht über die Staaten in denen, neben China, noch zensiert wird. Interessant ist vor allem die Unvollständigkeit der Liste. So fehlt z.B. die Türkei, die regelmäßig Youtube wegen Beleidigung des Türkentums sperren lässt. Auch in Deutschland wird zensiert. Erklären sie mal einem Chinesen, warum es völlig OK ist rechtsradikale Seiten zu sperren, Seiten der F@lun Gung Bewegung aber erlaubt sein müssen.

Die Sperrung von Seiten ist nicht das wahre Problem bei der Zensur in China. Sie lässt sich im übrigen spielend umgehen. Eine Reihe von Firefox-Addons (z.B. PhProxy oder gladder), hebeln die Sperrung per Knopfdruck aus. Einige dieser Addins finde ich regelmäßig auf Computern der Uni isntalliert. Es bedarf also keines grossen Hacker Know Hows. Das Problem ist die Unterdrückung der Meinungsäußerung in Foren und Blogs. Diese werden überwacht und gefiltert. Das Wissen darüber führt zur Schere im Kopf.

Der Unterschied ist eben, dass es in Deutschland legal und OK ist die Politiker und Machthaber zu bewerten und zu kritisieren. Aber die Legalität hat auch hier oft ihre Grenzen bei der Meinungsäu0erung gegenüber Firmen. Hier werden das Urheberrecht und das Wettbewerbsrecht in Deutschland als Zensurgehilfen in Stellung gebracht. Eine Entwicklung die durchaus bedenklich ist. Wie frei ist das Internet in Deutschland wenn man Politiker kritisieren darf, nicht aber mächtige Firmen, ihre Produkte oder Geschäftsgebaren?

10.08.2008

Essen in Peking

Adrian Geiges schreibt im Stern Online über die besten Restauants in Peking und erwähnt auch South Beauty. Hainan hat uns also wirklich in ein sehr empfehlenswertes Restaurant in Peking geschleppt. Zwar ist es dort nicht ganz billig, aber sie servieren wirklich leckeres Essen.

Olympia

Die Eröffnungsfeier konnte ich am Fernsehen verfolgen. Die Strassen waren zu diesem Zeitpunkt ziemlich leer und wer konnte hat sich die Feier angeschaut. Ich fand die Zeremonie ziemlich beeindruckend und sie hat mir gut gefallen. Später habe ich dann im Spiegel Online gelesen, dass der deutsche Fernsehkommentar dazu wohl ziemlich schlecht war und Frau Maischberger uninformiert war und verzweifelt nach dem Skandal oder wenigstens dem Haar in der Suppe gesucht hat. Sie fand es wohl schon beachtlich, dass Mao nicht gezeigt wurde.

Nun, bei einer Eröfnungsfeier zeigt man sich von der Besten Seite. In China ist es wichtig was man sagt, aber auch was nicht erwähnt wird. Wenn man die Feier unbedingt politisch interpretieren will, wobei ich davon aber abrate, da die Gefahr einer Überinterpretation besteht, dann kann man deutlich Zeichen der Öffnung sehen. Mao wurde nicht erwähnt, dem Seefahrer und Entdecker Zheng He wurde jedoch ein ganzer Abschnitt gewidmet. Zheng He steht wie kaum ein Anderer für die Öffnung Chinas. Seinerzeit führte er eine riesige Handelsflotte. Nach dem Wechsel des Königs wurde diese jedoch vernichtet und Chinas Öffnungspolitik 1433 beendet. Ihm so grossen Raum zu geben ist eine Interpretation wert, denn seine Leistungen werden erst seit wenigen Jahren in China umfassend gewürdigt.

09.08.2008

Hochzeitsfieber

Freunde in Deutschland haben geheiratet und Jingjins Schwester hat geheiratet, wenn auch "nur" standesamtlich. Die richtige Hochzeitsfeier ist dann vermutlich im Oktober. Auf jeden Fall herzlichen Glückwunsch von uns an die frisch vermählten.

08.08.2008

Die Luft in Peking und Wuhan

Kurz vor der Eröffnungsfeier ist das Wetter in Peking weiterhin diesig und die Sichtweite ist sehr gering. Das Wetter in Peking erinnert mich an Wuhan 2004-2005, nicht an das Wuhan von heute. Hier ist das Wetter schon seit meiner Ankunft gut und die Smogbelastung ist deutlich geringer als früher. Es sind nur noch wenige Tage so diesig wie man es aus den Fernsehbildern von Peking kennt. Heute scheint die Sonne wiedereinmal bei blauem Himmel, obwohl natürlich das Blau auch leicht angegraut ist. Es ist immer noch Schmutz in der Luft hier und auch ein Smogschleier liegt über der Metropole, doch es hat sich viel getan in den letzten drei Jahren. Wenn ich die Bilder aus Peking sehe, dann freu ich mich regelrecht hier im sauberen Wuhan zu sein. Ein Satz den ich vor drei Jahren auch nicht geschrieben hätte.

06.08.2008

Die Ankunft der Ahnungslosen

China steht im Mittelpunkt der Berichterstattung. Reihenweise folgen Berichte über China. Mit der Zahl der Berichte und der Berichterstatter sinkt aber auch zugleich die Qualität. Bietet Adrian Geiges vom Stern oft ganz gute Hintergrundberichte, landen nun die Dilettanten, die sich dessen auch nicht einmal mehr schämen. Jens Fischer vom Stern landet in Peking und ist erfreut über die vielen Helfer. Leider ist er auch recht unselbstständig. Er hat aber auch mehr Pech als Christian Gödecke vom Spiegel. Während Herr Gödecke mit seinem stummen (sprich: nicht Englisch oder Deutsch sprechenden Taxifahrer) zum Hotel findet, hat Herr Fischer größere Probleme das Hotel zu finden, bzw. finden zu lassen. "Journalismus" auf Reiseblogniveau bietet Herr Fischer. Zitat:
noch weiß ich nicht viel über diesen Moloch, kenne die Wege zu meinen Arbeitsstätten nicht und gegessen habe ich auch noch nichts
Naja, bei so viel stolz auf die eigene Ahnungslosigkeit erwarten uns interessante Berichte. Vermutlich die üblichen Berichte recherchefauler Spesenritter: Chinesen essen alles (auch Hunde), in den Apotheken gibt es merkwürdiges zu kaufen, Internetzensur (kann man sogar vom Hotelzimmer aus recherchieren), Erziehungskampagne der Regierung vor und während der Olympischen Spiele, Smog und die wegen der Neubauten vertriebenen Pekinger. Aber selbst recherchieren ist ja so schwer. Denn:
aber wer kann schon chinesisch?

05.08.2008

Visaprobleme überall

Viele ausländische Studenten haben derzeit Probleme mit dem Visum, bzw. mit der Uni. Shailendar und Varun z.B., zwei indische Medizinstudenten, sind derzeit nicht eingeschrieben und daher läuft ihr Visum in wenigen Tagen ab. Eingeschrieben sind sie nicht, da die Uni scih weigert sie einzuschreiben, angeblich weil sie die Gebühren zu spät bezahlt haben. Tatsächlich handelt es sich wohl vielmehr um den Versuch einige Störenfriede loszuwerden und alle indischen Medizinstudenten gelten, auf Grund einiger Prügeleien auf und neben dem Campus, als Störenfriede.

Aber natürlich ist das nicht die offizielle Begründung. Daher kämpfen die Beiden für eine Wiedereinschreibung und hoffen, dass ihre Botschaft ihnen helfen kann. Bisher ignoriert die uni jedoch die Faxe der Botschaft, bzw. hat sie "nicht empfangen". Ca. 30 indische Studenten haben deswegen schon die Heimreise angetreten und auch Studenten anderer Nationalitäten sind betroffen. Da es zur Zeit für sie quasi unmöglich ist ein Visum ohne den Studentenstatus zu bekommen, bleibt ihnen nur die Heimreise, wenn sie das Problem nicht bald lösen können.

01.08.2008

Jingjins Vater hat Geburtstag

Zum Geburtstag von Jingjins Vater sind wir in ein westliches Restaurant gegangen. Ich hatte Spagetti, Jingjin ein gegrilltes Hähnchen, Jingjins Eltern jeweils ein Stück Fleisch. Zum Geburtstag gab es ein paar Schuhe und ein Hemd.

Das Geburtstagskind und seine Frau

Danach sind Jingjin und ich dann noch im Carrefour einkaufen gegangen. Mit einer langen Einkaufsliste sind wir hin und mit vollen Einkaufstüten nach Hause gegangen. Der Vorrat reicht hoffentlich für die ganze Woche.

Hübsche 2,5D online Stadtkarte von Wuhan (und anderen Städten)

The Humanaught berichtete über die 2,5D Stadtpläne von Edushi. Dort werden grosse chinesischer Städte im "SimCity"-Stil dargestellt. Wuhan ist auch dabei. Damit musste ich natürlich heute gleich rumspielen.

Die Ladezeiten sind zwar etwas manchmal etwas langsam, aber die Kartendarstellung ist wirklich prima und erleichtert die innerstädtische Navigation.

Der Screenshot ist leider etwas klein. Einfach mal selbst ausprobieren.