25.09.2008

Militärtraining

Das Militärtraining geht weiter. Vor dem Büro geht es munter 1-2-3-4.... den ganzen Tag. Es nervt langsam. Es ist wenigstens bald vorbei, denn im Oktober ist der Spaß auch schon vorbei. Heute haben sie neben dem Formaltraining auch mit dem KungFu angefangen.

23.09.2008

Jingjins Mutter hat Geburtstag

Heute haben wir den Geburtstag von Jingjins Mutter gefeiert. Eigentlich wollte sie uns zunächst nach Hause einladen, hat es sich dann aber doch anders überlegt. Also sind wir zusammen Essen gegangen. Jingjin hat noch schnell Blumen und einen Kuchen besorgt, worüber sie sich sehr gefreut hat.

Treffen der Magnifizienzen

Von Sonntag auf Montag war der Rektor der Uni Stuttgart zu Besuch in Wuhan. Das brachte mir eine Einladung zum Abendessen am Sonntag und zum Mittagessen am Montag ein. Das International Office der Wuhan University hat mich eingeladen. Es gab zweimal leckeres Essen und ich hatte die Gelegenheit einer Unterredung der Rektoren beizuwohnen. Ziemlich nutz- und ergebnislos übrigens. Die wahre Arbeit wird von den erfahrenen Mitarbeitern beider International Offices durchgeführt. Dort steckt die Erfahrung und dort werden die Dinge umgesetzt.

Stuttgarts Rektor erschien mir insgesamt nicht sonderlich informiert über die Wuhan University. Der frühere Rektor war weit besser informiert über Wuhan und die Uni und hätte sicherlich ein besseres Bild abgegeben, zumindest in Wuhan. Eigentlich sollte die Uni eine Akte mit wichtigen Punkten und Fakten über die jeweilige andere Uni und acuh deren Rektor und führende Mitarbeiter haben und diese auch gezielt einsetzen um Beziehungen aufzubauen. Ansonsten sieht doch jeder neue Rektor erschreckend uninformiert aus. Das ganze erschien mir persönlich sehr unprofessionell. Ob jedes Treffen so läuft?

Einige Interessante Punkte zur Wissenschaftsförderung in China konnte ich jedoch erfahren. Die "Exzellenzinitiative" in China heißt 985 Programm. Benannt nach dem Datum der Entstehung, dem Mai 1998. Dort wurden 30 Top-Universitäten ausgesucht, also von oben bestimmt, die seitdem mit mehreren Millionen gefördert werden. Diese Förderung gilt anscheinend für 30 Jahre! Damit kann man natürlich mehr anfangen als mit den 5-Jahres Trippelschritten.

19.09.2008

Busfahrerin in Wuhan verprügelt

Über ChinaSmack bin ich auf die Nachricht über einen Angriff auf eine Busfahrerin in Wuhan gestossen. Der Angriff fand in der Buslinie #519 statt. Diese startet am Unitor und Jingjin fuhr damit jeden Tag zu ihrem alten Arbeisplatz. Der Angriff selbst wurde wohl ausgelöst durch einige unflätige Worte der Busfahrerin, nichts ungewöhnliches in Wuhan. Die Angreifer kamen von außerhalb, weshalb sich die Diskussion im Fernsehen und im Internet auch eher darum dreht. Der Graben läuft zwischen den Stadtbewohnern und den "Landeiern" und dem südlichen Teil Chinas und den Chinesen aus dem Nordosten. Das Video zum Angriff ist komplett auf Chinesisch.



[Update] Es gibt jetzt eine Reihe von Aussagen die bestätigen, dass die Busfahrerin die Passagiere vorher übelst beleidigt hat. Das ist zwar keine Entschuldigung für die Brutalität und Dauer des Angriffs, stellt ihn aber in ein anderes Licht.

Milchprodukte

Gestern hat die Deutsche Botschaft per Email vor dem Verzehr von Milchprodukten aus unsicheren Quellen gewarnt und empfohlen nur importierte Milch zu konsumieren. Da nahezu alle Top-Brands in den Skandal verwickelt sind, ist es schwer sichere Quellen in China zu finden. Jingjin und ich haben uns daher entschlossen für eine Zeit auf Milch zu verzichten, jedoch, ganz schwäbisch, die schon gekaufte Milch nun doch noch zu trinken.

Gestern habe ich einen kleinen Vortrag gehalten. Alles auf Chinesisch. Die armen Studenten haben wahrscheinlich weniger verstanden als wenn ich auf Englisch vorgetragen hätte. Für mich war es jedoch eine gute Gelegenheit mein Fachchinesisch aufzupolieren und ich konnte viele Fachwörter lernen. Der ganze Vortrag hat mich daher in der Vorbereitung auch viel Zeit gekostet. Sogar Jingjin musste als Probepublikum herhalten. So langsam kennt sie sich in der Radarfernerkundung ganz gut aus :)

17.09.2008

Militärtrainig der neuen Studenten

Auf dem Sportplatz neben dem Institut findet zur Zeit die "militärische" Ausbildung der neuen Studenten statt. Für einen Monat müssen die Neuen marschieren über für die große Parade zum 1. Oktober. Anscheinend geben sie irgendwann während der pseudo-Ausbildung auch mal 2-3 scharfe Schuss ab. Die Formalausbildung ist jedenfalls in vollem Gange. Langsam klappt es auch einigermaßen mit dem Gleichschritt. Das Geschrei stört natürlich etwas beim Arbeiten, aber es dauert ja nicht mehr lange.

10.09.2008

Super, heute ist Teachers-Day

Der zurecht im Westen völlig unbekannte "Tag des Lehrers" findet hier eine recht großer Beachtung. Nicht nur die Zeitung sind voll mit Berichten über Lehrer, nein die lieben Studenten haben es sich nicht nehmen lassen die Lehrer mit Blumen zu beschenken. Nein, ich habe nichts bekommen, ich lehre ja auch nicht. Leider hatte ich heute keine Kamera dabei, es hätte einiges kurioses zu fotografieren gegeben.

Fortschritte bei der Zivilisierung Wuhans

Die große Kampagne zur Zivilisierung Wuhans ist weiterhin in vollem Gange und erste Erfolge zeichnen sich ab. Natürlich hängen diese v.a. am persönlichen Engagements der ausführenden Organe. Auf dem Weg zum Institut gibt es ein besonders engagierten Wachmann, der sich fest vorgenommen hat durchzugreifen. Er ist etwas kurz geraten und sehr dünn, die Uniform ist deutlich zu weit und schlabbert an ihm herunter. Selbst die Mütze ist sicherlich eine Nummer zu gross, aber seit neuestem regiert er mit eiserner Hand. Er weist jeden an gefälligst auf dem Gehweg zu gehen und nicht auf der Straße, wie eigentlich üblich. Sein vehementer Einsatz zeigt erste Erfolge und ich war überrascht heute fast alle Studenten auf dem Gehweg vorzufinden.

Der weniger engagierte erfahrenere Kollege die Straße weiter hinauf setzt hingegen auf eine laissez-faire Politik. In seinem Straßenabschnitt laufen wieder alle auf der Straße, was gut ist, denn sonst müssten sie ja über seinen Stuhl stolpern, auf dem er es sich mitten im Gehweg bequem gemacht hat. Auch sonst scheinen die Zivilisierungswächter eher desmotiviert zu sein. Amperüberquerung bei rot wird meist mit einem Schulterzucken oder einem lustlosen hinterherpfeiffen mit der Trillerpfeiffe geahndet.

Der große Vorteil einen so motivierten Wachmann auf dem Arbeitsweg zu haben ist, dass man sofort weiß wann diese Kampagne vorbei ist. Sobald er nicht mehr kontrolliert und meckert ist klar: die Slogans mögen zwar noch hängen, einige Hunde noch bellen, aber die Karawane zog schon weiter.

09.09.2008

Krise in Thailand

Es wird recht wenig über die lang anhaltende politische Krise in Thailand berichtetet. Es finden sich dazu Berichte unter der Rubrik Reisen, wie z.B. beim Stern, bzw. unter Kurioses. Bei SPON fanden sich auch Artikel, aber nicht als Headliner.

Den Demonstranten, nach Al Jazeera reiche/mittelständische Stadtbewohner, geht es darum, dass nur noch 30% der Volksvertreter gewählt werden sollen und 70% ernannt. Warum fordern sie das? Grund ist die extreme Korruption in Thailands Wahlkämpfen. Insbesondere auf dem Land werden massenhaft Stimmen gekauft. Die Wähler werden durch die Massenmedien, national aber v.a. auch lokale Medien, gelenkt und beeinflusst. Die (ein)gebildeteren Städter bezweifeln die Demokratiefähigkeit der ungebildeten Landbewohner. Vielleicht auch zu Recht, ich maße mir da kein Urteil an.

Warum wird kaum darüber berichtet, dass in einem demokratischen Land eine große Zahl der Menschen die Demokratie in Frage stellt und nach dem König ruft? Ich finde diese Entwicklung durchaus interessant. Was die vermeintliche Unmündigkeit der Landbevölkerung anbetrifft, so trifft man diese Argumente auch bei Fragen nach der Demokratie in China immer wieder. Chinesische Blogs verfolgen daher die Situation in Thailand durchaus sehr aufmerksam.

Einschreibungstag an der Uni

Heute war der große Tag für viele neue Studenten. Sie konnten sich einschreiben. Bei einem Spaziergang von meinem Institut zum Post-Doc-Office konnte ich die neuen Studenten beguchtachten. Sie kommen natürlich zusammen mit ihren Eltern, die ihnen oft genug beim nötigsten helfen und die wichtigen Einkäufe für sie erledigen. Der Supermarkt ist voll mit besorgten Eltern die ihren Kindern Toiletenpapier und Reinigungsutensilien kaufen.

Chinesische Studenten sind im ersten Jahr, insbesondere zu Beginn des ersten Jahres, noch sehr unselbstständig. Kein Wunder, wurden sie doch bislang zu Hause verhätschelt. Die meisten haben außer Schule und lernen auch kaum Lebenserfahrung und kaum einer ist auch nur annähernd selbstständig. An der Uni, weg von zu Hause, werden die meisten recht schnell selbstständig und erwachsener. Sie erinnern trotzdem mehr an Abiturienten denn an Studenten. Vielleicht werde ich einfach auch nur selbst immer älter...

08.09.2008

Ein zivilisiertes Wuhan aufbauen

Nach den Olympischen Spielen ist es jetzt Zeit an der zivilisierten Stadt zu arbeiten. Ganz Wuhan ist mit Slogans zugepflastert, die uns daran erinnern, dass das ganze Land jetzt daran arbeitet zivilisiertere Städte aufzubauen. Offensichtlich versucht man die "Volkserziehung" jetzt von Peking auch auf andere Städte auszuweiten. Neben den Slogans, die wirklich mehr oder weniger überall hängen, gibt es jetzt auch vermehrt Aufpasser an Fußgängerüberwegen und an Bushaltestellen. Diese kontrollieren natürlich, dass auch alles mehr oder weniger zivilisiert zugeht. Sie scheinen mir jedoch bislang weit weniger motiviert zu sein als die Aufpasser in Peking. So braucht es noch ein Weilchen bis sich Wuhan zivilisieren lässt. Aber wie uns die Slogans ja jeden Tag mitteilen müssen wir auch alle daran arbeiten.

07.09.2008

Projektmittel

Am Donnerstag hat mir Prof. Liao eröffnet, dass wir den Zuschlag zu einem Uni internen Forschungsprojekt bekommen haben. Da ich auf der Liste der Projektmitarbeiter stehe, bekomme ich davon eigene Projektmittel.

Insgesamt haben wir für dieses Jahr 300.000 RMB erhalten. Diese werden nun verteilt. Natürlich geht ein guter Teil an den Institutsleiter, nochmal soviel bekommt mein Prof, etw. weniger für einen anderen Prof, usw. Letztlich bleiben für mich nicht zu unterschätzende 30.000 RMB übrig. Das Geld steht zu meiner persönlichen Verfügung und ich kann damit, in einem begrenzten Rahmen, machen was ich will. Ich kann das Geld für Dienstreisen ausgeben, Computerausstattung, Fachbücher, usw. Ich kann es nicht, darauf legte Prof. Liao großen Wert, für "Geschäftsessen" ausgeben. Schade eigentlich...

Interessant ist die sehr persönliche Zuweisung der Mittel. Bisher habe ich sozusagen immer Prof. Liaos Gelder verbraten, nicht wissend das die Mittelzuweisung sehr persönlich ist. Es gibt vermutlich kaum Institutsmittel als solche, sondern die Mittel sind personalisiert. Ich habe also nun meine eigenen Mittel. Solange ich einen gültigen Fapiao beibringe, bekomme ich meine "dienstlichen" Ausgaben zurück erstattet. Das erklärt auch, warum wir nicht als Institut geschlossen auf Dienstreise nach Peking gegangen sind. Jeder hat seine eigenen Mittel und setzt sie nach seiner Entscheidung ein. Ein teurer Flug und ein teures Hotel? Kein Problem sind ja meine Mittel... so lange man noch welche hat. Erspart einem wenigstens den lästigen Streit mit der Reisekostenstelle.

30.000 RMB ist nicht wenig und ich überlege wie ich sie am besten verwende. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann bekommen wir nächstes Jahr nochmal soviel Projektgeld allein von diesem Projekt. Davon könnte ich ja eigentlich im nächsten September eine Dienstreise nach Stuttgart unternehmen....

Jingjins Vater hat dieses Jahr auch extra Gelder bekommen, da er den Sommer durchgearbeitet hat. Er kann allerdings "Geschäftsessen" absetzten. Noch ein Grund mehr für uns immer fleißig Fapiaos zu sammeln.

Wuhantimo erklärt China: Der Fapiao

Fapiao ist das chinesische Wort für Rechnung/Quittung. Ein Fapiao ist sehr wichtig und eine Art Zweitwährung. Reisekosten z.B. trägt man zunächst selbst und bringt dann den Fapiao zurück und erhält die Kosten zurückerstattet. Offizielle Fapiaos, erkennbar am roten Stempel, sind Chinas Weg Umsatzsteuern einzutreiben. Der chinesische Staat ist, auch wenn man das kaum glauben mag wenn man nur Peking kennt, sehr schwach. Er hat kaum einen Weg Steuern, insbesondere Umsatzsteuern, vernünftig einzutreiben. Großbetriebe werden natürlich kontrolliert, aber die große Zahl der kleinen Betriebe zahlen schlicht und ergreifend keine Steuern.

Hier kommt der Fapiao ins Spiel. Offizielle Fapiaos werden sozusagen von den Betrieben gekauft, die damit ihre Umsatzsteuer abgelten. Will nun jemand einen Fapiao, dann bekommt er einen vorher gekauften Fapiao. Will er keinen Fapiao, dann läuft das Geschäft an der Steuer vorbei, wie in Deutschland auch.

Damit nun nicht nur Geschäftsreisende auf Fapiaos bestehen, sind insbesondere die Fapiaos der Restaurants, auch ein Rubbellos. Man kann Geldbeträge gewinnen und da Chinesen Spieler sind wollen natürlich mehr Kunden einen Fapiao. Eine Win-Win Situation. Gestern hat Jingjin z.B. 10 RMB gewonnen, nach dem Fapiao fragen hat sich also gelohnt.

06.09.2008

China sucht den Super-Post-Doc

Alle Post-Docs in China sind aufgerufen sich zum 44sten mal um Projektmittel zu bewerben. Die Bewerbungsfrist endet am 10.9., gestern habe ich natürlich erst davon erfahren. Prompt einen Antrag zusammengeschustert und am Wochenende wird der ins Chinesische übersetzt.

Das Bewerbungsverfahren selbst ist recht interessant. Unter www.chinapostdoctor.org.cn kann man ein Bewerbungsformular herunterladen. Dazu muss man allerdings einen Benutzernamen und ein Passwort haben, sprich Postdoctor in China sein. Die Homepage funktioniert wie so viele Seiten in China nur mit dem Internet Explorer :( Das Bewerbungsformular ist ein Worddokument gespickt mit Makros. Funktioniert natürlich nur mit Microsoft Office, Anleitungen gibt es nur für Office 2000 und 2003, und damit die Zeilen richtig ausgefüllt werden müssen die Spracheinstellungen des Computers auf Chinesisch eingestellt werden. AppLocale reicht nicht aus :(

Dann muss das Dokument unter www.chinapostdoctor.org.cnwieder hochgeladen werden. Sowei so modern und paperless. Dann kommt aber zu der wirklich modernen, wenn auch etwas unpraktischen e-Government Lösung, die clueless Variante. Das Dokument wird nicht nur hochgeladen, sondern man muss es auch in Papierform abgeben. Doppelseitig ausgedruckt, 3-mal im Original und 5-mal in Kopie. Soviel zur modernen papierlosen Bewerbung. Die Bewerbungen werden dann uniweit gesammelt und gemeinsam eingereicht.

Die Inhalte der Bewerbung sind Standard. Informationen zum Wissenschaftler, Vorarbeiten und bisher erbrachten Leistungen. Dann Beschreibung des Projekts mit Inhalten, Zielen und Methoden. Das wars. Verglichen mit der Formularwut bei der Einstellung als Postdoc, ist es geradezu bürokratielos. Zu "gewinnen" gibt es 50.000 RMB als Projektmittel. Zu den Projektmitteln schreibe ich später mehr.

03.09.2008

Semesterbeginn

Das neue Semester hat begonnen und die Uni ist wieder voll von Studenten. Am Wochenende ware Judith, Sonja, Torsten und ich im Taizi essen um das neue Semester zu begrüßen. 

Jingjin hat einen neuen Job gefunden. Der Arbeitsplatz ist ganz in der Nähe und die Arbeit ist vglw. gut bezahlt. Nächsten Montag fängt sie an, nachdem sie heute auch den obligatorischen Gesundheitstest "bestanden" hat.