25.06.2009

Great Firewall

Heute hat die Great Firewall von China google.com gesperrt. Angeblich weil Google Pornographie verbreitet. Das ist allerdings eine Ausrede, denn die chinesischen Suchmaschinen zeigen ebensolche Bilder wie man sie auch auf google.com findet. Google.cn funktioniert, so dass normales Suchen möglich ist. Besonders ärgerlich ist aber, dass verschiedene Google Services, wie z.B. Gmail, nicht funktionieren. Das nervt.

22.06.2009

Auf den letzten Drücker

Dinge auf den letzten Drücker zu erledigen ist hier nicht nur üblich, sondern unvermeidlich. Ein schönes Beispiel war dieses Wochenende. Am Donnerstag erhält mein Chef eine Email von der Verwaltung, man könne sich bis Montagmorgen um ein Programm zur internationalen
Wissenschaftskooperation bewerben. Da er und einige Kollegen am Sonntag, also gestern, nach Spanien aufbrachen, mailte er zurück, dass wir das zeitlich nicht schaffen können. Ein Telefongespräch am Donnerstagabend änderte dann die Situation, denn es handelt sich nicht
um eine offene Ausschreibung, sondern wir wurden gezielt eingeladen. Also hieß es Freitag und Samstag den Antrag schreiben. Es ging nur um einen Vorantrag, sozusagen eine Bewerbung, dass man sich später bewerben darf. Aber mein Kollege war gut zwei Tage beschäftigt. Heute
habe ich das Ding dann ausgehändigt, die Kollegen sind ja schon in Spanien. Ein vernünftiger Antrag kommt so kurzfristig natürlich nicht zu Stande.

20.06.2009

Das Danwei-Prinzip

Ein Student des Institutes für Schiffbau der Ligong Uni, an dem Institut arbeitet Jingjins Vater, sprang vergangene Woche in den Tod. Es bringen sich verhältnismäßig viele Studenten in China um, was entgegen der landläufigen Meinung weniger mit dem Druck der Uni zu tun hat, sondern zumeist mit Liebeskummer. Chinesische Jugendliche sind eher Spätzünder und haben ihre erste Liebesbeziehungen meist erst an der Uni. Das liegt auch an dem hohen schulischen Druck in der
Oberstufe. Der Leistungsdruck fällt dahingegen an der Uni vergleichsweise gering ist, weswegen die meisten Selbstmorde an der Uni auf Liebeskummer zurück gehen, Ausnahmen gibt es allerdings auch zahlreiche, denn wer seinen Master oder PhD machen will, steht ebenfalls unter gehörigem Prüfungsdruck.

Der Selbstmord hat aber auch Auswirkungen auf das Institut, das nun in Gefahr ist dieses Jahr vergleichsweise schlecht evaluiert zu werden. Ja, das Institut ist natürlich verantwortlich, wenn einer der Studenten sich umbringt. Der Grund ist das Danwei-Prinzip. Die Danwei ist die Firma, aber oft (früher nahezu ausschließlich) auch der Wohnort. Sie, die Danwei, ist verantwortlich für das Wohlergehen der Mitglieder. Sie sorgt für die Gesundheitsfürsorge, Rente, usw. und dient auch als Einwohnermeldeamt. Meine Danwei, die Wuhan University, fragt regelmäßig nach Jingjins Schwangerschaftsverlauf. Früher waren die Danweis noch weit mächtiger und mussten z.B. um Erlaubnis gefragt werden wenn man heiraten wollte.

Eine gute Danwei zu haben ist oft wichtiger als einen guten Job. Ich kann mich in der Hinsicht nicht beschweren, die Wuhan University gehört sicherlich zu den besten Danweis in Wuhan, wie ganz allgemein Unis im Normalfall gute Danweis sind. Im Zuge der Reformen verlieren
die Danweis zunehmend an Bedeutung. Aber, insbesondere in Staatsbetrieben und natürlich auch an Universitäten, ist das Danwei-Prinzip immer noch dominierend. Deswegen ist das Institut eben verantwortlich für seine Studenten und wenn sich einer umbringt oder zu Tode säuft, dann wird auch das Institut bestraft. An einer deutschen Uni unvorstellbar, hier aber normal. Dann hoffen wir mal, dass sich meine Studenten diesen Sommer nicht so oft umbringen.


12.06.2009

Bus fahren

Wenn man regelmäßig mit dem Bus fährt, so wie ich es zur Zeit tun muss, dann hat man wenigstens hin und wieder etwas zu erzählen. Gestern Abend geriet die Busfahrerin mit einem renitenten Passagier aneinander. Die beiden zofften sich und die Fahrerin weigerte sich
letztlich weiter zu fahren, natürlich zum Unmut der anderen Passagiere. Der Renitente wollte partout nicht den Bus verlassen. Die Fahrerin ließ sich erweichen und fuhr weiter, doch der Passagier pöbelte weiter. Die Fahrerin ist, wie in Wuhan üblich, natürlich nicht auf den Mund gefallen und ein neuer Streit entbrannte. Als auch noch Handgreiflichkeiten drohten, gingen einige der Passagiere dazwischen, doch der verbale Streit ebbte nicht ab. Schließlich entschied sich die Busfahrerin anzuhalten und die Polizei zu rufen. Wir anderen Passagiere durften warten. Der nächste Bus der gleichen Linie war natürlich überfüllt und ich wollte mir gerade ein Taxi holen, da erschien auch schon die Polizei. Der angetrunkene Passagier wurde aus dem Bus begleitet und wir konnten weiterfahren, oder besser rasen, denn die Fahrerin war nach dem Streit etwas aggresiv in ihrem Fahrstil.

Sonst gibt es nicht viel Neues. Jingjin ist wohlauf und auch ihrer Mutter geht es besser.

08.06.2009

GaoKao

Seit gestern findet wieder die 3-tägige Hochschulzugangsprüfung in China statt. Die Eltern warten im Regen vor der Schule in unserer Nachbarschaft und hoffen darauf, dass es ihre Zöglinge auf eine gute Uni schaffen.

Twitter und Flickr sind wieder zugänglich, Blogger ist allerdings immer noch gesperrt.

Wochenende

Samstagabend waren wir BBQ essen bei Jingjins Tante. Wir wurden natürlich wieder voll versorgt und waren pappvoll. Sie hat ein paar neue Spezialitäten im ANgebot, so konnten wir unter anderem Wildgans und Reh probieren. Besonders die Wildgans ist gegrillt ziemlich
lecker. Gestern war ich dann mit Jingjin einkaufen. Ihrer Mutter geht es zwar täglich besser, aber fürs shoppen ist sie noch nicht fit genug, deshalb musste ich mit. Danach haben wir uns beim koreanischen BBQ gestärkt.

Die beste Erfindung, die mir die ansonsten doch recht langweilige Zeit im Hause der Schwiegereltern vertreibt, ist iTudou. Mit iTudou, von www.tudou.com, dem chinesischen Pendant zu Youtube, kann man sich die Filme nicht nur auf den PC herunterladen, sondern auch gleich in verschiedene mobile Formate konvertieren lassen. Jetzt kann ich regelmäßig mobil auf meinem Handy Serien und Filme gucken. Echt genial.

04.06.2009

Antrag abgegeben

Heute rannte ich den halben Tag lang durch die Uni um meinen Antrag für das "NSFC International Young Scientist Programm" abzugeben. Obwohl ich die erste Deadline verpasst habe, bin ich immer noch im Rennen . Für die 50 Plätze gibt es 46 Bewerbungen, die Chancen stehen also ganz gut, wenn ich nicht wieder die Deadline verpasse. Deswegen habe ich diesmal alles sofort erledigt und alles 11 Tage vor der Deadline abgegeben. Jetzt heißt es abwarten und Tee
trinken.

Geiselnahme an der Wuhan University

Gestern nachmittag stürmte ein ehemaliger Verwaltungsangestellter der Uni das Hauptverwaltungsgebäude. Ausgerüstet mit Nachbildungen von Pistolen nahm er zwei Mitarbeiterinnen als Geisel. Nachdem der Geiselnehmer während der Verhandlungen immer unberechenbarer wurde, stürmten Sondereinheiten das Gebäude und erschossen den Geiselnehmer. Ein Polizist wurde dabei verletzt.

Von der ganzen Aktion habe ich natürlich nichts mitbekommen, bzw. es erst aus der Zeitung erfahren. Das Verwaltungsgebäude ist recht weit weg, allerdings bin ich dort auch regelmäßig.

02.06.2009

Twitter und Flickr gesperrt

Der Jahrestag des Tiananmen-Massakers nähert sich und die Zensurbehörden sperren alles was geht. Neben Blogger hat es seit heute auch Flickr und Twitter erwischt. Hoffentlich entspannt sich die Situation an der Zensurfront bald wieder, aber erfahrungsgemäß wird dies noch mindestens ein paar Wochen dauern.

Im Krankenhaus

Am Montagmorgen ging es ins Krankenhaus für weitere Untersuchungen. Beim Aussteigen aus dem Bus stelle ich fest, dass mein Geldbeutel fehlt. Ich drehe mich um und schaue alle grimmig an. Ein junger Mann "findet" meinen Geldbeutel auf dem Boden und gibt ihn mir zurück. Ich
bin ziemlich sicher, dass ich beinahe das Opfer von Taschendieben wurde und nur mit Glück meinen Geldbeutel zurück bekam.

Im Krankenhaus mussten Jingjin eine Reihe von Untersuchungen über sich ergehen lassen und ich durfte die ganze Zeit warten. Mittags waren wir dann fertig und alle Untersuchungsergebnisse waren OK.

Seit Sonntag wohnen wir wieder bei den Schwiegereltern, damit jemand tagsüber auf Jingjin aufpassen kann und Jingjin im Gegenzug auch auf ihre Mutter aufpassen kann, die in der Zwischenzeit wieder zu Hause ist. Für mich bedeutet dies, dass mein Weg zur Arbeit nun deutlich länger dauert und ich immer erst spät nach Hause komme.