30.07.2009

Spritze und Umzug

Vorgestern erhielt Luca eine weitere Hepatitisimpfung. Das hat ihm keinen Spaß gemacht. Zunächst hat er ordentlich geweint und dann war er den ganzen Tag über beleidigt. Abends wollte er dann nicht schlafen und hielt alle auf Trab. Am nächsten Morgen hat er sich dann wieder langsam beruhigt. Das war auch gut so, denn da wartete schon der nächste Schock auf ihn, wir zogen nämlich gestern zurück in unsere Wohnung in der Wuhan University. Wir mussten einen Transporter mieten um das ganze Zeug von den Schwiegereltern in unsere Wohnung zu schaffen, denn mit Kinderbett, Kinderwagen, Kinderkleidung, usw. kommt
doch einiges zusammen. Den Umzug hat er jedoch größtenteils verschlafen und auch sonst ganz gut verkraftet. Es war ihm schlicht egal.

Die Wohnung war jedoch ziemlich schmutzig, wir waren ja schließlich auch seit fast zwei Monaten kaum mehr dort. Deswegen haben wir auch eine Putzfrau kommen lassen, die erstmal richtig sauber gemacht hat. Ab heute kommt dann noch eine Kochhilfe, die uns etwas unterstützt und
Jingjin das kochen abnimmt. Jetzt kann ich endlich bei Diskussionen mit anderen Ex-Pats mitreden und wir können zukünftig gemeinsam über unsere Ayis schimpfen.

27.07.2009

Man Yue

Ein Monat wird Luca heute alt. Aus diesem Grunde feiert man in China ManYue (满月), was so viel bedeutet wie voller Monat. Zu diesem Anlass lädt man Verwandte, Freunde und Arbeitskollegen zum Essen ein. Gestern beließen wir es zunächst bei den Verwandten und Freunden, meine Arbeitskollegen werden am nächsten Wochenende in der Nähe der Uni
eingeladen, denn die Schwiegereltern wohnen doch etwas weiter weg. Auch so hatten wir uns um mehr als 30 Gäste zu kümmern.

Es war auch Lucas erster Ausflug und er hat die ganze Aufregung um ihn ziemlich locker überstanden. Natürlich war er der Star und auch die Angestellten des Restaurants drängelten sich um sein Bettchen. Wir haben die Gäste in zwei Räume aufgeteilt, einerseits weil das
Restaurant ansonsten einfach nicht genug Platz bot, andererseits aber auch um Raucher und Nichtraucher/Baby zu trennen.

24.07.2009

Sonnenfinsternis und Trip nach Peking

Am Mittwoch gab es in Wuhan eine totale Sonnenfinsternis zu bewundern. Leider haben wir am Mittwochnachmittag auch ein Meeting bei Infoterra in Peking vereinbart. Um die Sonnenfinsternis noch bewundern zu können, habe ich daher einen Flug direkt nach der Sonnenfinsternis gebucht. Weit früher als sonst ging es dann mit dem Taxi zum Flughafen. Schnell eingecheckt und dann ging es wieder hinaus, denn der Mond begann sich schon vor die Sonne zu schieben. Ausgestattet mit einer Schutzbrille konnte ich das Treiben beobachten. Mehr und mehr Passagiere folgten nach draußen und um mich herum scharte sich eine Gruppe von Polizisten, die ebenfalls die Sonnenfinsternis anschauten. Wir kamen etwas ins Gespräch und der Boss meinte ich würde ja Huangpi-Dialekt sprechen. Das ist möglich, denn viele Verwandte von
Jingjin kommen ursprünglich aus Huangpi, einem kleinen Ort in der Nähe von Wuhan. Wie sich herausstellt, kommt auch ein Großteil der anwesenden Polizisten von dort und so ist die Freude groß.

Die Sonnenfinsternis selbst war fantastisch und wir hatten in Wuhan das Glück, das kaum eine Wolke am Himmel war. Es ist wirklich ein fantastisches Ereignis. Danach ging es dann gleich mit dem Flieger nach Peking. Dort traf ich dann meinen Prof, der von der Projektpräsentation bei der NSFC zurückkam. Leider wurde unser Projekt nicht genehmigt, aber wir haben wohl gute Chancen, wenn wir es nächstes Jahr wieder versuchen und noch den einen oder anderen
Änderungswunsch einbauen. Nach unserem gemeinsamen Meeting ging ich dann noch mit Ralf Essen und lecker Erdinger Hefeweizen trinken. Wir tauschten uns über unseren Nachwuchs aus. Sein Fahrer brachte mich dann zurück zum Flughafen.

Leider hatte aber mein Flieger Verspätung. Nicht nur mein Flieger, sondern eigentlich alle Maschinen. Ein Starkregenereignis am nachmittag hat den Flughafenbetrieb ins Schleudern gebracht. Alle Maschinen hatten ca. 4 Stunden Verspätung, manche fielen komplett aus.
Mit mir wartete Emad, ein Student aus Palästina, den ich schon seit meinem ersten Besuch in Wuhan kenne. Er muss am 31. zurück. Sein Studium ist beendet und sein Visum läuft aus. Er hat zwar keine große Lust nach Palästina zurückzukehren, aber er hat auch kaum eine andere
Chance.

Unsere Maschine startet schließlich, mit 4 Stunden Verspätung, um ca. 02:30 und wir landen gegen 4:30 morgens in Wuhan. Um diese Zeit gibt es aber kein Taxi mehr am Flughafen. Mir bleibt nichts anderes übrig als mit dem Flughafenbus zurück in die Stadt zu fahren und dort
umzusteigen. Kurz vor 6:00 bin ich dann endlich zu Hause, doch Luca denkt gar nicht daran mich schlafen zu lassen. Er heult schon fast die ganze Nacht, und hält dann auch mich noch einige Zeit wach. An Arbeit war dann auch nicht mehr zu denken.

20.07.2009

Wuhan und Hubei sind immer mit dabei

wenn es um Nachrichten über Betrunkene/Rauchende Staatsdiener geht. Wieder ein
Staatsdiener, der im Auftrag seiner Stadt gefallen ist
. Dining and Wining ist allerdings nicht nur in Wuhan verbreitet und wer Beamter werden will, der sollte auch einiges vertragen können. Sonst kann es hier schwierig werden seine Beziehungen aufzubauen. An der Uni ist dem allerdings nicht so. Wir trinken nur sehr selten Schnapps, meistens gibt es bei offiziellen Anlässen Bier oder Wein. Für manche Studenten ist das allerdings oftmals auch schon genug.

18.07.2009

Hitzewelle

Diese Woche ist es richtig schön heiß. 38°-39° am Tag, ca. 30° in der Nacht. Da kommt man schön ins schwitzen. Ich hechle von einer Klimaanlage zur nächsten und Jingjin weigert sich das Haus zu
verlassen. Die nächsten Tage bleibt es heiß.

Nächste Woche werde ich nun doch nicht nach Peking fahren. Der Prof. fährt alleine, da wir ihn beim Vortrag sowieso nicht begleiten können. Mir ist das ganz Recht, ich hatte sowieso keine große Lust vier Tage in Peking zu verbringen. Außerdem ist am 22. totale Sonnenfinsternis in Wuhan, nicht aber in Peking. Das will ich mir nicht entgehen lassen.

16.07.2009

Verkehrsbehinderungen

Heute morgen stand mein Bus auf dem Weg zur Arbeit in einem Riesenstau. Es ging nichts vorwärts und die meisten PKW wendeten auch. Mit dem Bus ist das natürlich etwas schwieriger. Als wir schließlich weiterkommen wird klar, dass nicht ein Verkehrsunfall den Riesenstau
verursacht hat, sondern eine Gruppe von Demonstranten. Es ist schwer zu sagen, wieviel Menschen demonstriert haben. Ich nehme an, dass ca. 20-30 aktiv beteiligt waren. Der große Teil (vielleicht 100-200) erschienen mir als Schaulustige. Um was es bei dem Protest ging kann
ich leider nicht sagen. Ich kann den Demonstranten für zukünftige Proteste daher nur empfehlen ihre Schilder in die Höhe zu halten und nicht auf den Boden zu legen. Das würde helfen.

Vielleicht 10 Streifenpolizisten waren bemüht die Gruppe von der Straße zu drängen. Sie waren, sofern mein kurzer Blick aus dem Bus eine Beurteilung zulässt, deutlich überfordert. Zahlenmäßig unterlegen und ohne Ausrüstung konnten sie nur hin- und wieder etwas Platz
schaffen. Als der Bus letztlich durchkam, stand er kurz darauf schon im nächsten Verkehrsstau, diesmal wohl der übliche Berufsverkehr. Insgesamt habe ich heute fast 3 Stunden gebraucht.


13.07.2009

Key Development Program

So wie es aussieht geht es bald schon wieder für ein paar Tage nach Beijing. Wir haben bei unserem Projektantrag die erste Runde passiert und müssen das geplante Projekt in der zweiten Runde präsentieren. Für die Präsentation bleiben nur 20 Minuten und es ist nicht so einfach in
20 Minuten das Projekt für Laien verständlich darzustellen.

Zu Hause ist auch alles in Ordnung. Luca geht es gut. Er schläft auch schon etwas länger und gönnt uns so größere Pausen zwischen der Fütterungszeit.

03.07.2009

Nach Hause

Gestern konnten wir das Krankenhaus verlassen. Nachdem wir unsere sieben Sachen (oder in unserem Fall wohl eher siebzig Sachen) gepackt haben, wurden wir in einem vom Krankenhaus gestellten Wagen nach Hause zu den Schwiegereltern chauffiert. Dort wollen wir den ersten Monat
verbringen, in der Hoffnung, dass die Schwiegereltern etwas mithelfen können, in dieser stressigen Zeit.

01.07.2009

Die ersten Tage mit Luca

Nach der Geburt war Luca sehr friedlich. Zwischen schlafen und seine Babymilch trinken war er zumeist sehr zufrieden und schlummerte vor sich hin. Jingjin erholte sich schnell von der OP und stand schon bald auf um sich zu waschen und um sich etwas zu bewegen. Schwierig wurde
es, als Luca von der Flasche auf die Brust umgestillt wurde. Er wollte nämlich nicht. Luca liebt seine Flasche. Es bedurfte der Hilfe einer weiteren Ayi, Spezialistin auf dem Gebiet und auf dem Gebiet der Brustpflege. Darauf werde ich hier jedoch nicht näher eingehen.

Es dauerte ein Weilchen bis er die Umstellung akzeptierte und es flossen reichlich Babytränen. Heute ist er jedoch schon wieder friedlich. Er hat aber seinen eigenen Kopf und kann ganz schön
dickköpfig sein. Während der Probleme mit dem umstillen nervten die Krankenschwestern etwas. Das Krankenhaus hat eine Vereinbarung mit einer anderen Firma, doch unsere Ayi kam von der Konkurrenz. Die Schwestern wollten Jingjin überzeugen zu wechseln und verunsicherten
uns. Letztlich blieben wir jedoch dabei und sie hat wirklich einen guten Job gemacht. Es hat zwar etwas gedauert, aber jetzt sind Luca und seine Mama zufrieden.


Die Geburt von Luca

Am Freitagmorgen gingen Jingjin und ich zur geplanten Vorsorgeunteruchung ins Uni-Krankenhaus der Wuhan University. Sie hatte schon leichte Schmerzen und der Doktor wies sie gleich ein. Doch, im Uni-Krankenhaus gab es kein freies Bett mehr, Es lagen schon Patienten auf Betten im Flur. Mist. Als wir kurz vorher noch die Geburtsabteilung besuchten gab es noch genügend freie Betten in allen Preiskategorien. Jetzt war alles belegt. Wir telefonierten mit anderen Krankenhäusern. Tongji, das vermutlich beste Krankenhaus der Stadt, war ebenfalls überfüllt. Im Marienhospital gab es noch ein freies Bett im Einzelzimmer. Wir orderten dieses und ließen uns abholen.

Dort wurde Jingjin erstmal untersucht und wir bezogen unser Zimmer. Der Abstand zwischen den Wehen wurde immer kürzer und die Wehen immer schmerzhafter. Doch es sollte noch bis zum nächsten Morgen dauern, bis Jingjin endlich in den Kreissaal gebracht wurde. Ich musste draußen warten. Jingjins Mutter und Vater trafen kurz darauf ein und wir warteten gemeinsam. Doch Jingjin war noch nicht soweit und die Ärztin wies sie an etwas zu gehen. Danach ging es zurück in den Kreissaal. Kurz darauf wurde ich hineingerufen. Da das Fruchtwasser verunreinigt
war empfahlen die Ärzte einen Kaiserschnitt und wir stimmten zu.

Kurz darauf kam Luca auf die Welt. Er wurde dann untersucht und ich musste eine Vielzahl von Dokumenten unterschreiben, ohne eigentlich zu verstehen was ich da unterschreibe. Vermutlich habe ich auch eine neue Waschmaschine gekauft :) Daraufhin kam auch schon Jingjin aus dem OP. Mutter und Kind waren wohlauf.

Nachmittags kam dann die Ayi. In dem Fall die Ayi, die sich für einen Monat um Mutter und Kind kümmern wird. Sie hat einen anstrengenden Job, denn sie kümmert sich Tag- und Nacht um Mutter und Kind. Ohne sie wären wir aufgeschmissen. Nicht nur, dass sie uns viel Arbeit abnimmt, sie erklärt auch die richtige Babypflege.


Luca an seinem ersten Tag