30.05.2009

Masterprüfung

Heute hatten fünf unserer Studenten ihre Masterprüfung. Den ganzen Vormittag verbrachte ich also damit bei der Verteidigung von fünf Masterthesen beizuwohnen. Zum Dank gab es wenigstens nachher ein Mittagessen, denn heute ist eigentlich noch Urlaub. Erst morgen, also am Sonntag, geht es weiter. Von den Vorträgen habe ich nicht sonderlich viel verstanden, aber dabei sein ist ja bekanntlich alles.

Dragon Boat Festival

Zum Drachenbootfest gibt es dieses Jahr eigentlich drei Tage frei. Ich musste heute trotzdem zur Uni, da fünf unserer Masterstudenten ihre Abschlussprüfung hatten. Am Donnerstagabend feierten wir das Drachenbootfest mit einem Abendessen bei Jingjins Oma. Dank meiner Frechheit hatten wir auch das passende Geschenk. Mein Institut verteilte nämlich fleißig Geschenke an die Lehrer und ich hab einfach nachgefragt, ob ich auch eines bekomme. Das war zwar nicht vorgesehen, da Post-Docs eigentlich nichts bekommen, aber mein Kollege meinte, ich sei doch 985-Ingenieur und ausländischer Experte. Zwei Telefonate später hatte ich zwei große Kisten mit eingelegten Enteneiern. Ich bin zwar kein Freund dieser ölig-salzigen Eier, aber sie gaben ein prima
Gastgeschenk ab.

27.05.2009

JURSE Konferenz und Internetsperren

Letzte Woche war ich auf der JURSE (Joint Urban Remote Sensing Event) in Shanghai. Eine prima Gelegenheit Kollegen aus aller Welt zu treffen. Die Konferenz selbst war ziemlich gut organisiert und fast alle Vortragenden sind auch erschienen. Insgesamt eine geglückte
Veranstaltung. So sind Ralf, Daniele und ich nach dem Konferenzdinner noch ins Paulaner-Bierhaus gefahren. Die halbe kostet dort gepflegte 8 Euro und der Laden war voll, obwohl es ein Dienstagabend war. Das ist eine Gelddruckmaschine.

Neben der Konferenz und den dazugehörigen Mittag- und Abendessen, nutzte ich die Gelegenheit Brian zu treffen, der nur ca. 5 Gehminuten von Konferenzort wohnt.

Leider ist derzeit blogger.com in China gesperrt. Bei bisherigen Sperrmaßnahmen war immer nur blogspot.com betroffen, so dass man Blogbeiträge schreiben, aber nicht lesen konnte. Daher bin ich gezwungen über Umwege zu bloggen.

14.05.2009

Es geht aufwärts

Gestern abend waren wir wieder bei der Schwiegermutter im Krankenhaus. Es geht ihr schon deutlich besser und seit heute ist sie auch nicht mehr auf der Intensivstation, sondern in einem normalen Krankenzimmer.

Auch im Krankenhaus ist es immer turbulent und renao. Das Zimmer der Schwiegermutter, obwohl bis dahin Einzelzimmer, ist immer voll. Verwandte und Freunde kommen und gehen und es ist ein ziemlicher Trubel. Auch außerhalb ist immer was los. Wenn neue Verletzte eingeliefert werden, dann gehen immer alle ungeniert gucken was denn so passiert ist. Privatsphäre ist unbekannt.

12.05.2009

Der Unfall

Gestern ging Jingjin erneut ins Krankenhaus um ihre Mutter zu besuchen. Dabei erfuhr sie auch mehr Details zum Unfallhergang. Das Elektromoped ihrer Eltern wurde von einem abbiegenden LKW übersehen (toter Winkel) und es kam zum Unfall. Beide landeten unter dem Anhänger. Jingjins leicht verletzter Vater und der Fahrer des LKWs versuchten dann schnellstmöglich ein Taxi anzuhalten. Erst das dritte Taxi war allerdings bereit die Schwerverletzte ins Krankenhaus zu fahren. Die umstehenden Passanten haben nichts unternommen, wie es in China leider üblich ist (siehe auch "The Good Samaritan with Chinese characteristics").

Nach der dort erfolgten Notoperation war sie beinahe eine Woche ohne Bewußtsein. Dafür hat sie sich seitdem sehr gut erholt. Der Unfall ist nun fast zwei Wochen her. Sie ist zwar noch schwach, aber es geht ihr von Tag zu Tag besser. Sie spricht und ißt auch wieder. Wir hoffen jetzt alle, dass sie sich schnell und vor allem ganz erholt.

Die Kosten für die Operation und den Krankenhausaufenthalt trägt übrigens, wie es sich gehört, der Unfallgegner, bzw. dessen Versicherung.

11.05.2009

Schlechte Nachrichten zum Muttertag

Jingjins Mama liegt immer noch im Krankenhaus. Die ursprüngliche Geschichte, dass sie nur wegen einer verschleppten Grippe im Krankenhaus ist glaubten wir schon ein Weilchen nicht mehr und Jingjin bestand darauf sie am Muttertag zu besuchen. Es stellte sich dann heraus, dass ihre Mutter nicht wegen einer Erkältung im Krankenhaus ist und auch nicht in einem weit entfernten Krankenhaus liegt, sondern wegen einer schweren Kopfverletzung auf Grund eines Verkehrsunfalls. Auf der Fahrt zurück von unserer Wohnung, rammte ein Auto den Elektroroller mit meinen Schwiegereltern. Mein Schwiegervater trug einen Helm, Schwiegermutter leider nicht.

Beim Besuch waren wir dann ziemlich schockiert. Obwohl es ihr schon besser geht, sieht sie doch schlimm aus. Die Haare wurden rasiert und sie hat eine große Narbe auf dem Kopf, die Gottseidank später von den Haaren bedeckt sein wird. Sie ist auch noch ziemlich schwach, aber sie ist nicht mehr auf der Intensivstation und sie ist wach und kann sich unterhalten. Schwiegervater hat eine Hilfksraft eingestellt die sich um sie kümmert, da er ja auch nicht die ganze Zeit im Krankenhaus sein kann. Die Familie ist eigentlich ständig da und bringen etwas zu Essen, da sich die Krankenhäuser in China darum nicht kümmern.

Die ganze Famile wusste Bescheid, nur Jingjin ließ man im dunkeln. Obwohl ich es zwar verstehen kann, da man sie, auf Grund ihres Zustandes, nicht unnötig aufregen wollte. Aber hatte sie es nicht verdient die Wahrheit zu erfahren?

10.05.2009

Unser Nachbar schlägt seine Frau

Unsere Nachbarn haben regelmäßig Streit. Den tragen sie gerne auch lautstark aus. Gestern waren sie dabei besonders laut und es kam dabei wohl auch zu Handgreiflichkeiten. Als Jingjin und ich einkaufen gingen, kamen dann auch drei Zivilpolizisten ins Haus, die vermutlich von anderen Nachbarn gerufen wurden. Wir, bzw. Jingjin, wurden kurz gefragt ob wir wüssten was los sei, was wir wahrheitsgemäß verneinten. Als wir vom einkaufen zurückkamen war dann wieder Friede, Freude, Eierkuchen. Die beiden hatten sich wohl wieder versöhnt, jedenfalls riefen sie sich wieder zärtlich Liebster und Liebste.

09.05.2009

Deadline verpasst

In letzter Zeit war ich damit beschäftigt einen Antrag auf Förderung im Rahmen eines Projektes für "International Young Scientists" zu stellen. Der Antrag war fertig und ich dachte ich hätte noch viel Zeit bis zur Deadline am 20. Wir waren auch sicher, dass ich von der Wuhan University nominiert würden, da es für die drei Plätze der Wuhan University nur drei Bewerber gab. Das Problem war nur, die Deadline war am 1. Mai. Ich hab es falsch gelesen und Daten verwechselt. Schöne Scheiße. Donnerstagabend sendete ich dann eine Notmail an mein Prof. und habe ihn gefragt, ob wir wirklich die Deadline verpasst haben. Er wollte am Freitagmorgen etwas herumtelefonieren, aber es sah definitiv so aus. Ich war jedenfalls ziemlich frustriert und enttäuscht über meine eigene Dummheit.

Am Freitagmorgen wollte ich mich dann ursprünglich auch in meinem Büro verstecken. Ich fühlte mich ziemlich dämlich und die Sache war mir peinlich. Zur Kaffeepause ruft mich mein Prof. an und sagt, ich solle vorbei kommen. Offensichtlich wussten schon alle von meinem Missgeschick und der Spott der Kollegen war mir sicher, wobei es eher lustig war und ich darüber auch schon einigermaßen lachen konnte. Jedenfalls gab es wohl eine Reihe von Telefonaten zwischen meinem Prof. dem Direktor, der Universitätsleitung und dem NFSC in Beijing. Irgendwie haben meine Chefs es hinbekommen, dass wir den Antrag noch abgeben können. Allerdings muss es heute noch erledigt werden.

Wie immer wenn man etwas am Besten sofort erledigt, sind wir natürlich zunächst mal Essen gegangen. Wir hatten eine Besprechung mit Professoren der Geologischen Universität (keine Ahnung wie der korrekte englische Name lautet, ich bleibe daher bei der chinesischen Kurzform: DiDa). Nach dem Essen hatten wir noch ein Meeting und als das Meeting beendet war, bin ich mit meinem Kollegen Lu zum zuständigen Büro der Wuhan University gefahren. Dort sagt man uns, dass meine Unterlagen unvollständig sind. Es fehle noch ein Formular. Das musste natürlich auf Chinesisch ausgefüllt werden. Der Rest des Antrages war Englisch.

Super. Wir fahren also zurück und Lu muss ruckzuck den Abstract übersetzen. Mein Prof. muss das Formular unterschreiben, wir telefonieren ihn dafür aus einem wichtigen Meeting. Dann geht es wieder zurück in das Büro, doch der zuständige Sachbearbeiter ist natürlich nicht da. Als sein Kollege endlich kommt, zerrinnt schon die Zeit. Diesmal sind die Unterlagen korrekt und wir müssen jetzt noch zum Rektoramt. Dort wird der Antrag mit dem offiziellen Stempel und der Unterschrift des Rektors gestempelt. Ja, von der Unterschrift des Rektors gibt es einen Stempel. Sehr praktisch übrigens und zur Nachahmung empfohlen.

Danach mussten wir die Unterlagen nur noch per Kurier nach Peking schicken, denn die offiziellen Anträge unserer Uni waren ja schon weggeschickt.

Neben dem ganzen Stress und dem riesigen Ärger über meine eigene Dummheit, hatte die ganze Angelegenheit ihr Gutes. Ich habe wirklich gesehen, dass meine Kollegen mich massiv unterstützt haben. Die Chefs haben für mich telefoniert, mein Kollege hat gerackert und einige andere haben mich aufgebaut, z.T. auch mit ein paar lustigen Worten auf meine Kosten. Aber das war sehr schön.

Natürlich fühlt man sich manchmal allein hier, denn ich spreche ja nicht perfekt Chinesisch und verstehe auch nicht alles. Das führt schon zu einer gewissen Ausgrenzung, aber ich habe gemerkt, dass meine Kollegen sich schon für mich einsetzen. Ob der Antrag jetzt letztlich erfolgreich ist oder nicht ist jetzt schon zweitrangig.

03.05.2009

Die schweinische Grippe kommt zu uns

Nein, nicht die Grippe selbst, sondern die Panik vor ihr. Jingins Mutter muss unter ihr leiden, denn sie ist im Krankenhaus unter Quarantäne. Die Geschichte begann vor ein paar Tagen, mit einer leichten Erkältung. Sie hat die Erkältung etwas verschleppt und hatte dann rasende Kopfschmerzen. Jingjins Vater fuhr sie ins Krankenhaus und schon war sie unter Quarantäne. Ich weiß nicht, ob sie evtl. danach gefragt wurde ob sie Kontakt mit Ausländern hat. Wir dürfen ja im Moment nicht zu ihr, so dass der Informationsfluss sehr begrenzt ist. Die Untersuchungen sind auch noch nicht komplett abgeschlossen. Es sieht aber so aus als muss sie mindestens noch eine Woche im Krankenhaus bleiben.

Wie James Fallows berichtet, werden im Moment in China viele Mexikaner unter Quarantäne gestellt, unabhängig davon ob sie in letzter Zeit in Mexiko waren. Panik und Idiotie vereint, dass kann ja ein interessanter Sommer werden.

[Update] Die Schwiegermutter ist übrigens nicht wegen einer Grippe im Krankenhaus. Das ganze war eine Lüge um Jingjin nicht unnötig aufzuregen. Wie sich herausstellte hatte sie einen Verkehrsunfall.