10.04.2008

Ist der Fackellauf ein PR-Desaster?

Die Sichtweise auf die Ereignisse unterscheidet sich sehr stark zwischen der „westlichen“ Wahrnehmung und der chinesischen Sicht der Dinge. Dies liegt unter anderem an der unterschiedlichen Mediendarstellung, aber auch daran, dass der Mittelpunkt der Welt aus chinesischer Sicht eben nicht in Europa liegt. Für die chinesische Führung ist Olympia in erster Linie ein innenpolitisches Ereignis und erst in zweiter Linie ein außenpolitisches. Wichtig ist es für die Führung das eigene Volk um sich zu scharen und die Legitimation und Zustimmung für die Regierung aufrecht zu erhalten, insbesondere in Zeiten der Krise. Es ist eine Krise in China, aber keineswegs wegen Olympia. Was die Leute hier berührt sind die steigenden Preise, insbesondere für Lebensmittel. It’s the economy, stupid!

Die Proteste während des Fackellaufs werden im Westen gerne als PR-Desaster für China verkauft. Außenpolitisch und aus Sicht des Westens mag das stimmen, aber innenpolitisch ist das nicht so. Es wird hier durchaus über die Ereignisse berichtet, sowohl im Fernsehen als auch in den Zeitungen. Der Unterschied liegt an einer anderen Sichtweise auf die Dinge und auch an den Berichten außerhalb der Medien, z.B. in Blog-Einträgen oder Augenzeugenberichten. Diese „chinesische“ Sicht wird im Westen vermieden, da die Herzen auf Seiten der armen unterdrückten Tibeter sind, deren „kultureller Holocaust“ kurz bevor steht.

EastSouthNorthWest hat einen schönen Bericht über die behinderte Fackelträgerin JinJing übersetzt. Es sind Geschichten wie ihre die die Menschen hier bewegen und die auch ein anderes Bild auf die Proteste werfen.

Angriffe und Schläge auf eine behinderte Frau sind nicht wirklich gewaltfrei und wirken erbärmlich. Solche Ereignisse lassen die Menschen hier enger unter der Führung zusammenrücken und Berichte und Bilder über den heroischen Kampf der behinderten JinJing um die Flamme sind eine weit bessere Propaganda für die chinesische Führung als es sich die alten Herren jemals hätten ausdenken können.

Wenn man dem Bericht Glauben schenken darf, dann wurde ist Flamme in Paris auch nicht erloschen. Auch diese Zeitungsmeldung ist vermutlich falsch. Fest steht, in dem Moment als JinJing angegriffen wurde, war ihre Fackel noch gar nicht entzündet. Später durfte sie das Feuer noch abseits der ursprünglich geplanten Strecke tragen.


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